Nord Törn mit dem Motorsegler „Papa Echo“  – der Weg ist das Ziel – 1.600 km in 5 Tagen

Dienstag, 30. April: Werdohl – Ganderkesee – Flensburg

Eigentlich sollte es über Ganderkesee nach Helgoland und weiter nach Sylt gehen, aber die feuchte Luft über der Nordsee sorgte für Nebel und tiefen Stratus. Also erst mal auf gen Bremen. „Papa Echo“ hat einen kleinen 40 Liter Tank und so muss nach etwa 300 km oder 2 Stunden ein Tankstopp eingelegt werden.

1. Zwischenstopp zum Tanken in Ganderkesee. Weil sich das Wetter über der Nordsee und auch auf Sylt immer noch nicht gebessert hat, wird als nächstes Ziel Flensburg angesteuert.

Lürssen Werft an der Weser, nördlich Bremen

Von der Nordsee ziehen tiefe Wolken ins Land. Hier am Flüsschen Oste südlich der Elbe wird deutlich wie wenig Luft zwischen Boden und Wolken ist. Draußen auf der Nordsee bei Helgoland dürfte es ähnlich sein, bei geschlossener Wolkendecke. Mit „Papa Echo“ geht es locker über den Wolken weiter nach Norden, Schleswig-Holstein ist schon in Sicht.

Ankunft in Flensburg bei sehr gutem Fliegerwetter. Sylt ist immer noch dicht und so übernachte ich hier im Fliegerheim. Auch eine Morane kommt noch an, sie wollten nach Wyk fliegen, haben aber in Dagebüll umgedreht und fahren lieber mit dem Bus.

Mittwoch, 1. Mai: Flensburg – Sylt

Guten Morgen in Flensburg – bestes IFR-Wetter: tiefe Wolken, schlechte Sicht, Sprühregen, kräftiger Wind, GAFOR: X – also folgt gemütliches Kaffeetrinken bei Kalle in der Flugleitung.

Info für Nichtflieger: der Screenshot zeigt „pcmet“ eine Software vom DWD speziell für Piloten, läuft als App auf dem Tablet. die „5“ bei Leck bedeutet eine Wolkenuntergrenze von 500 Fuß, bzw. rund 150 Meter. Die Fliegerkarte verrät, dass die Windräder bei Leck 184 Meter hoch sind, d.h. die Spitzen der Windräder drehen in die Wolken hinein. Nee, nee, bei solch einem Wetter muss ich nicht fliegen. Der Vollständigkeit halber muss zwischen AGL und MSL unterschieden werden. Die Wolkenuntergrenze ist als Höhe über Grund angegeben. Die Höhe der Hindernisse wird über dem Meeresspiegel angegeben. In Nordfriesland ist das aber so ziemlich das Gleiche, Flugplatz Leck liegt 24 Fuß (7,3 Meter) über dem Meeresspiegel.

Gegen Mittag könnte sich Besserung einstellen, so die optimistische Vorhersage, also erst mal am Platz umschauen und alte Bekannte treffen, im LSV Flensburg war ich Ende der 80er aktiv und habe 1992 meinen Standard Cirrus hier am Platz übernommen. Heute gibt es ein Wiedersehen mit Christian, er hat in Haltergemeinschaft eine Dimona und es muss ein Probelauf stattfinden. So gab es zumindest etwas zu tun, nur das Wetter wurde nicht besser und es war schon früher Nachmittag. Die Alternative Kiel wurde geprüft, die Wolken sind dort etwas höher, aber das Gelände und die Windräder auch!
Den Tag hatte ich schon abgeschrieben und das Zimmer wieder bezogen, da gab es doch einen Lichtblick, gegen 17 Uhr meldete Sylt 1.000 ft Wolkenuntergenze und passable Sicht. Also wieder das Gepäck in den Flieger und nochmal pcmet checken, jetzt waren es sogar 1.200 ft Untergrenze – also los, zwischen Windrädern und Wolken ist gerade genug Luft für Sichtflieger.
Unterwegs stellte ich fest, dass dies meine Minimum Bedingungen waren, bei noch schlechterem Wetter ist es sicherlich kein Spaß mehr. Ich hatte aber stets die Möglichkeit umzukehren oder auf der Hälfte in Leck zu landen. Das ist auch vertraute Heimat, hier habe ich beim AG52 für 7 Jahre an der Phantom geschraubt. Lang ist es her, war eine tolle Zeit mit Anfang Zwanzig.

ehemalige Airbase Leck, AG52, wie es in den damals vertrauten Sheltern jetzt wohl aussieht?

Weiter geht es mit Sonder-VFR nach Westerland. Wie gut, dass es den Damm gibt. Links und rechts verschwimmen Wolken und Wasser im grauen Matsch – Horizont? Immer schön am Hindenburgdamm entlang. Warum sind hier in 1.000 ft plötzlich Wolkenfetzen? Wie war nochmal der Spread? Also noch weiter runter und der Küstenlinie folgen. Da unten am Morsum Kliff habe ich als Teenager mein Modellflugzeug in den Hangwind geworfen. Die Sicht wird besser, über die Keitumer Kirche einen kurzen Queranflug und ganz entspannt auf der langen Drei Zwo bis zur Mitte ausschweben.

Mit 2 Tagen Verspätung am ersten Etappenziel angekommen.

Papierkrams nach dem Flug – und ein lecker Pilsken – Prost Goki!

Meine Mutter freut sich riesig über den Besuch, es folgt ein Tag Fliegerauszeit mit Strandspaziergang und Gartenarbeit. „Papa Echo“ ist vierfach vertäut, so macht ihm auch der kräftige Nordwestwind nichts aus. Morgens und Abends wird kontrolliert, dass die Spanngurte noch richtig sitzen.

Wenningstedt – immer wieder schön hier zu sein!

Freitag, 3. Mai: Sylt – Roskilde – Barth

Mit gewissenhafter Flugvorbereitung im Gepäck geht’s zum Flugplatz. Der Flugplan ist eröffnet und ein internationaler Flug ist schon etwas besonderes. Nur noch tanken und fertig, da kommt ein freundlicher Herr aufs Vorfeld, der Tankwart? Nein, es ist der Herr vom Ministerium zur amtlichen Kontrolle. Es ist alles in Ordnung und so erfolgt der Start doch noch minutengenau nach Flugplan.

Abflug Westerland

Wegen des schlechten Wetters ist auf den FIS-Frequenzen wenig los und so komme ich gut mit dem englischem Sprechfunk klar, 6 mal muss jedoch die Frequenz bis Roskilde gewechselt werden. Unterwegs stehen dicke Schauer im Weg, die aber gut zu umfliegen sind.

Blick nach rechts – dicker Schauer über Sonderborg, die Kurslinie war über den Flugplatz geplant.

Blick nach links – schönste Aussicht über dänische Inseln

die Große Belt Brücke – Stoere Baelt – es regnet schon wieder

Ankunft Roskilde

Gegen 13:30 Uhr bin ich schon in Roskilde angekommen. Der Flug hat Spaß gemacht und das Wetter ist recht ordentlich, da geht noch was? Also entfällt die geplante Übernachtung in Roskilde und es geht gleich weiter über die Ostsee nach Deutschland. Das Regenradar zeigt nur kleine dunkelblaue Flecken und größere Lücken. Am Terminal steht ein PC und so ist bei der DFS schnell ein neuer Flugplan aufgegeben. Also kurz tanken und es geht weiter.

Ich steige gerade in „Papa Echo“ ein, was ist das für ein komisches Geräusch? Ich dachte, die etwas entfernt parkende DC-3 sei ein Museum, aber jetzt lässt die DC-3 tatsächlich die Motoren an, cooler Sound! Ja, geile Sache – so rollt „Papa Echo“ gemeinsam mit einem Rosinenbomber zur Startbahn.

gemeinsamer runup check, da habe ich mir extra Zeit gelassen

Warten am Holdingpoint, zwei Taxiways führen zur Bahn, wir dürfen gemeinsam auf die Piste rollen, „Papa Echo“ ist aber der kleinere Flieger und so muss ich vor der DC-3 starten. Kaum abgehoben, etwa in der Mitte der Bahn, drängelt schon der Tower „Papa Echo, turn left now“.

Der Kurs führt von Roskilde zuerst nach Süden bis zur letzten Spitze von Falster. Von hier aus sind es nur gut 40 km über Wasser und der kräftige Nord-West Wind kommt genau von hinten. Der Himmel ist klar, ich kann auf FL60 steigen und so ist die Küste am Horizont schon im Gleitbereich – ganz entspannt übers ‚große Meer‘.

SkyDemon zeigt über Wasser den Gleitbereich an. Bis zum FKK-Strand in Prerow reicht es schon.

Mitten über der Ostsee – trotz Schwimmweste möchte ich da unten nicht landen müssen. Die Schaumkronen versprechen ordentlichen Seegang.

Darß in Sicht – Der Flugplan hat das Ziel Neubrandenburg, aber dicke Schauer versperren den Weg. Deshalb wird kurzerhand die Entscheidung getroffen, am Ausweichplatz Barth zu übernachten. Hier scheint die Sonne.

ein kleiner gemütlicher Flugplatz, kaum Flugbetrieb, aber heute sogar mit einem internationalen Flug! Wer nach Mecklenburg fliegt, sollte hier zwischenlanden. Das Taxi in die Stadt kostet 15 ,- Euro.

In Barth ist eine Übernachtung im gehobenen Hotel Speicher empfehlenswert. War ein sehr guter Tipp vom Flugleiter. Zum Abendessen ging es in das Segler-Restaurant am Hafen und zum Absacker auf die Granitz, die Kneipe auf dem Wasser mit eingebautem schwankendem Boden. Der Holzofen bollerte und es war mit einigen Einheimischen ein gemütlicher Abend.

Samstag, 4. Mai: Barth – Schönhagen

Ziel des Tages ist Schönhagen und Übernachtung bei meiner Schwester bei Potsdam. Es war aber nur eine Strecke und so wurde vorher noch ein Sightseeing-Flug entlang der Küste über Rügen, Peenemünde und Heringsdorf geplant.

Alles fertig zum Abflug, ob es in Peenemünde Modellraketen zu sehen gibt? Das NOTAM warnt zumindest davor. Jetzt geht es los, doch dann die Überraschung – das Funkgerät will nicht so, wie es soll, was für ein Sch…!!!

Nach Rücksprache mit Uli gab es eine kleine Feldreparatur, eigentlich eine kleine Sache, aber beim Zusammenbau fiel eine Schraube unter das Bodenblech! Also Sitz und Boden ‚raus und suchen. Wie wartungsunfreundlich solche alten Flugzeuge doch sind… So ein Mist, Schrauben statt Rügenrundflug, diesen Tag hatte ich mir ganz anders vorgestellt.

gegen 17 Uhr ging es dann endlich los, direkt nach Schönhagen, sehr schönes Flugwetter, Sicht bis zum Horizont, interessante Wolken und eine abwechslungsreiche Landschaft

die Schauerwolke zieht wie Sau, eine schöne, gerade und dunkle Unterseite, das Steigen nehme ich im Geradeausflug mit, das macht „Papa Echo“ etwas schneller. Unten im Bild ist der Flugplatz Neuruppin, die Segelflieger sind auch unterwegs und tummeln sich an dieser Wolke. Hier in Neuruppin habe ich mit dem Cirrus oft gewendet, von Lübeck aus ist Neuruppin die erste Wende auf einem schönen 500er Dreieck.

Ankunft um 18:30 Uhr in Schönhagen. aufgrund des schlechten Wetters (Hä?) ist kaum Betrieb, und meine Schwester bietet einen 1a Shuttle Service mit Vollpension, Danke!

Sonntag, 5. Mai: Schönhagen – Ballenstedt – Werdohl

Hmm, direkt über den Harz? oder links rum? oder rechts rum? Wo stehen Schauer?

Abflug Schönhagen gegen 11:30 Uhr – wer winkt da unten? Danke fürs Frühstück! Sehr schöne Streckenflugbedingungen, ob ich es mal ohne Motor versuche? Im Westen soll das Wetter schlechter werden, so möchte ich keine Zeit verlieren und nehme die besten Bärte nur im Geradeausflug mit. Die gewonnene Höhe wird anschließend in Fahrt umgesetzt.

Überquerung der Elbe bei Barby, am Horizont ist Magdeburg zu sehen.

Tankstopp in Ballenstedt, auch ein netter kleiner Platz, der zum wiederholten Besuch einlädt. Oder im Juli zum Metal Festival, aber dann ist die Landebahn ein Campingplatz: www.rockharz-festival.com

weiter geht es – direkt auf Kurs über den Südharz, den Blocksberg lasse ich rechts liegen – das Regenradar zeigt im Westen schon herein ziehende Schauer

Göttingen – immer noch sehr gutes Flugwetter, aber die Wolken werden schon dichter.

Im Sauerland hat es Vormittags kräftig geregnet. Bei Brilon versperrte ein dicker Schauer den direkten Weg und ich musste dicht an Paderborn ausweichen. Hier kurz vor dem Ziel klart es wieder auf, und Restfeuchte hängt über den Bergen. Im Funk ist schon die „Whisky Delta“ zu hören – yes, das ist fliegerisches Heimatrevier, die letzten Kilometer genieße ich besonders.

15:49 Uhr – wieder Zuhause – was für eine erlebnisreiche Rundreise!

Ach ja, unterwegs fiel mir auf, wofür das „SF“ in der Typbezeichnung des Motorseglers steht – es kann nur „Slow Flyer“ damit gemeint sein. Und genau so war es geplant – der Weg ist das Ziel!

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