Archiv für den Tag: 11. Juni 2019

Europa Team – AEROCLUB NRW

Gesamtroute, 2.000 km, 5 Tage, 16:32 h Flugzeit, 9 Zwischenlandungen

Auf nach Italien! Der Nord-Törn Anfang Mai war der Test – auch mit dem alten „Papa Echo“ Motorsegler SF25 sind Strecken- und Reiseflüge möglich. Die Reichweite ist jedoch mit dem kleinen Tank und der langsamen Reisegeschwindigkeit eingeschränkt: Nach etwa 2 Stunden bzw. 260 km muss wieder getankt werden. Trotzdem konnte ich kurzfristig an der Italien Tour vom Landesverband AEROCLUB NRW mit insgesamt 20 Flugzeugen teilnehmen.

5. Juni 2019 – Tag 1 – zum Jagdgeschwader

Der Tag begann leicht stressig, während sich die anderen Flieger am Flugplatz sammelten, saß ich noch im Wartezimmer beim Arzt. Der Check war seit längerem geplant aber aus „eben nochmal zum Doc“ wurden dann doch 4 Stunden, die die anderen Flieger schon Vorsprung hatten. Peter und Thomas hatten PE dankenswerterweise schon ausgeräumt und gegen 13 Uhr waren Sack und Pack verstaut und es ging endlich los. (Die anderen Flieger schwebten jetzt schon in Manching ein…)

Die erste Zwischenlandung war in Rothenburg o.d.T. Es war wenig Betrieb (werktags) und so konnte ich direkt tanken, zahlen und weiter fliegen. Wie gut, dass ich die gesamte Flugvorbereitung schon am Vorabend erledigt hatte, so reichte ein kurzer Blick ins pcmet auf dem Tablet, weiterhin CAVOK – (clouds and visibility OK) – die wesentlichen Kriterien bei Flügen nach Sichtflugregeln. Also weiter zum Jagdgeschwader 74 nach Neuburg an der Donau.

In Neuburg angekommen, ging es direkt zur Alpenflugeinweisung, alle anderen 39 Flieger/innen saßen schon da, und endlich konnte es losgehen. Es war sehr gut, die wesentlichen Verhaltensregeln vor einem Alpenflug aufzufrischen. In den richtigen Bergen ist das Fliegen etwas anspruchsvoller als über den Hügeln im Sauerland.
Der Tag klang im Biergarten im nahe gelegenen Sporthotel aus, und ich war froh, dass heute alles wie geplant lief.

6. Juni 2019 – Tag 2 – über die Alpen nach Italien

Guten Morgen in Neuburg, heute ein strammes Programm: Wecker um 05:30 Uhr, Frühstück um 06:00 Uhr, Briefing um 06:15, Takeoff um 08:15 Uhr kurz nach dem Start der Alarmrotte Eurofighter
ein paar Liter nachtanken, per Schüttelschlauch bei WD abgezapft, ein behelfsmäßiger Papptrichter tut’s auch.

Am Vorabend wurden die Formationen nach Fluggeschwindigkeit festgelegt, schnell, mittel und langsam. Weil ich das englische Sprechfunkzeugnis habe, war „Papa Echo“ der Formationsführer und ich hatte 3 UL in der Gruppe. Zu viert sollte es für uns also über die Alpen gehen. Wir waren nicht nur die Langsamen, aufgrund des kleinen Tanks brauchten wir auch noch einen Zwischenstopp! Nach Wetterberatung wurde Kufstein ausgewählt, Flugplan aufgegeben und als wir kurz vor 8 Uhr zur Piste rollten, donnerten zwei Eurofighter über uns in den Himmel. Schade, dass die Zeit auf der Airbase viel zu knapp war, ich hätte gerne noch in F-4 Phantom Erinnerungen geschwelgt. Aber das Wetter sollte schlechter werden und wir hatten heute noch viel vor.

München – die Stadt mit dem schwarz-gelben Stadtwappen 😉
Die Wolken in Richtung Alpen werden dichter, oha, ob das schlechte Wetter schon früher herein zieht? Bis Rosenheim war es noch recht dunstig, aber in den Bergen wurde es besser und in Kufstein scheint wieder die Sonne.

Tankstopp in Kufstein, ein toller Segelflugplatz, der neue Flugplan ist bereits aufgegeben und bei AIS Österreich nach telefoniert, die „Papa Echo“ Formation darf schon in 30 Minuten weiter fliegen, normalerweise braucht ein Flugplan 60 Minuten Vorlauf. Während wir an den Flugzeugen stehen, knattern die schnelle und die mittelschnelle Formation über uns hinweg in Richtung Brenner.
Der Flugleiter in Kufstein ist sehr hilfsbereit und gibt uns ein ausführliches Wetterbriefing anhand von verschiedenen Webcams auf dem Weg zum Brenner. „Alles frei, da kommt ihr gut durch.“ Und so geht es sofort weiter.
Auf dem Weg nach Westen, Richtung Innsbruck. Wir sind schon 5.000 ft hoch – und die Wolken im Norden auch. Ein bisschen höher sollte die Basis für eine Brennerüberquerung schon sein.
Innsbruck Tower kennt unseren Flugplan uns lässt uns auf der gewünschten Mike-Route direkt zum Brennerpass fliegen.
Kurs Süd bei Gries am Brenner, die Wolken sind deutlich angestiegen, wir fliegen schon höher als FL 60.
„Durch diese hohle Gasse muss er kommen…“ Blick auf die engste Stelle am Brenner. Wir sind hoch genug und fliegen bequem über den Pass.
Auf italienischer Seite ist das Tal noch recht schmal und wir fliegen zunächst dicht am Berg. Das Tal wird zunehmend breiter und es sind auch ein paar mögliche Außenladefelder zu sehen.
Wir sind bei Bressanone vorbei, ein Blick auf die Dolomiten, aber jetzt zieht sich der Flug in die Länge. Es sind noch 100 km zu fliegen, wir haben eine Reisegeschwindigkeit von 100 km/h abzüglich kräftigem Gegenwind. Aber eigentlich ist das auch vorteilhaft, so können wir länger fliegen, und genau deshalb sind wir ja in dieser schönen Gegend unterwegs. Also zurücklehnen, entspannen und genießen.
Wir landeten rechtzeitig in Trento, es zog ein dicker Schauer das Tal herauf. Links und rechts hohe Felswände und von vorne zog eine bedrohliche dunkelgraue Regenwand auf uns zu, ein paar Minuten nach der Landung fängt es kräftig an zu regnen. Ich sitze noch im Flieger, Wasser läuft unter dem Haubenrahmen durch! Verflixt, nichts wie ‚raus und die Haube abkleben. Für diesen Fall ist Panzertape eingepackt, das klebt zum Glück auch auf dem nassen Flugzeug. Am Ende der Aktion bin ich patsch nass, aber zumindest blieben Cockpit und Instrumente trocken. Glück gehabt!
Im Bild ist der Schauer durchgezogen, jetzt wird alles für die Nacht vorbereitet.
„Papa Echo“ Formation Parkposition auf Gras, hier halten Bodenanker, wer weiss, was die Nacht bringt, es ist ziemlich schwül.
Blick in Flugrichtung: Durch das Tal sollte es heute noch weitergehen, aber es ist gut, dass wir hier am Flugplatz übernachten. Das Hotel und Restaurant sind zu empfehlen. Übrigens, VW und WD sind auch da, findest du sie?
Nach dem Abendessen ein kleiner Spaziergang um den Flugplatz herum – AEROCLUB NRW mit 20 Flugzeugen on Tour – das Wetter hat sich beruhigt, gute Nacht!

7. Juni – Tag 3 – Italien erkunden – Venedig

das NRW Europa Team – gut gelaunt nach dem Frühstück – vor einem weiteren tollen Flugtag
Heute fliegen wir ohne ohne Flugplan und FIS. Christian übernimmt mit seinem selbst gebauten Kiebitz als Langsamster die Führung. So können wir alle besser zusammen bleiben. Bild ist am Rollhalt vor der Piste.
Formation „Wiesel“ ist abflugbereit. Fünfter im Bunde ist heute eine C42 aus Schmallenberg – „Romeo Delta“.
Die Crew von „Romeo Delta“ hat eine kuriose Geschichte zu berichten: Im Anflug auf Trento ist das Handy aus dem Flugzeug gefallen, aus mehreren hundert Metern Höhe! Per App wurde das Handysignal geortet und dem verdutzten Taxifahrer unter die Nase gehalten: „wir müssen da hin, genau in diesen Weinberg“ Und tatsächlich wurde das Handy gefunden. Es hat den Sturz unbeschadet überstanden und funktioniert einwandfrei, zwei Tage später wurde damit „Papa Echo“ über Venedig fotografiert (s.u.).
einige Minuten nach dem Start, schönstes Wetter, gute Sicht und ein tolles Panorama – Fliegen ist einfach geil!
Über den nahe gelegenen Gardasee drehen wir eine kleine Ehrenrunde und fliegen nördlich um die Kontrollzone Verona herum in die Po-Ebene.
Es wird ziemlich diesig und die dünnen Cumulanten sind recht tief. Wie gut, dass wir heute als „microlight formation“ unter dem Radar unterwegs sind. Hier überqueren wir den Po beim kleinen Örtchen Ficarolo.
Nach dem Fluss wird das Wetter zusehend besser und an unserem ersten Etappenziel Ozzano (östlich Bologna) ist wieder Sicht bis zum Horizont. Wie unterschiedlich das Wetter auf 200 km doch sein kann!
Wir sind von dem schönen Flugplatz Ozzano begeistert. Alles ist sehr gepflegt, in der Werft wird gearbeitet, auf dem Vorfeld werden Flugzeuge vorbereitet, die gesamte Stimmung ist freundlich und sehr entspannt. Landegebühren? Nein, bei uns doch nicht. Wir tanken die Flieger auf und gehen ins nahe gelegene Restaurant zum Mittagessen. Anschließend gibt’s Kaffee und Siesta in der gemütlichen Pilot Lounge (rechts im Bild).
Wiesel Formation
Im Schatten unter der Tragfläche werden die nächsten Flugziele erörtert. Uns allen hat dieser Flug mit fünf Flugzeugen sehr gefallen, ebenso die ausgedehnte Pause am Flugplatz. Wir sind uns schnell einig, die beiden schnelleren Formationen nicht mehr einzuholen, das wäre uns mit vielen kurzen und langsamen Flügen viel zu stressig. Also schauen wir nach Alternativen. Trotz guter Stimmung in der Wiesel-Gruppe lösen wir die 5er-Formation hier schon auf. Die „Romeo Delta“ (Thorsten und Michael aus Schmallenberg) und ich müssen sowieso früher umkehren, uns zieht es gen Norden. Christian, Willi und Willi haben einige Tage länger Urlaub und wollen weiter gen Süden fliegen. Die „Papa Echo“ Formation sind also noch zwei Flugzeuge und wir haben uns Venedig als Ziel für heute vorgenommen.
„Papa Echo“ auf Kurs nach Venezia
Hafenstadt Chioggia – der erste Pflichtmeldepunkt (Sierra 4) für Lido Venezia – auf der Frequenz ist wenig los, die Verständigung klappt bestens, wir können entspannt in 1.200 ft an der Küste entlang cruisen. Höher geht es nicht, ab 1.500 ft beginnt der kontrollierte Luftraum um den Verkehrsflughafen Venedig.
Sauerländer Formation
Parken in Lido (auf Lido? Ist eine Insel…) Wir suchen in der Nähe ein Hotel und werden über eine Internetplattform schnell fündig. Es ist noch Vorsaison und so übernachten wir sehr günstig für 35,- Euro pro Person in der Villa Edera. Zu Fuß sind wir zügig beim Hotel und der Fähranleger nach Venedig liegt auch ganz nah beim Hotel. Kurz duschen, ab aufs Schiff und schon stehen wir in Venedig auf dem Markusplatz.
Flugplatz – Hotel – Fähre – Markusplatz
ein Fliegerbild für Olivia

8. Juni – Tag 4 – über den Brenner zurück nach Deutschland

Der Tag beginnt mit einem ausgedehnten Frühstück. Auf der Terrasse ist die Temperatur noch angenehm und wir genießen italienischen Flair. Wir bleiben länger sitzen und erledigen die Flugplanung, heute zwei Flüge: nach Trento und später weiter nach Kempten. Noch sind die Alpen im Norden dicht, am frühen Abend soll das Wetter dort aber fliegbar sein.

hey, warum überholt RD den Formation Leader?
Blick auf Lido und unser Hotel
Wer möchte hier Urlaub machen? Ich nicht…
chiao bella Italia
Anflug Brenner vom Süden – wir flogen in FL 70 an, müssen aber etwas sinken, weil die Wolken in Österreich tiefer sind als in Italien.
Im Innsbruck Tal sind 8/8 Bewölkung in etwa FL60 – aber im Westen ist schon die Sonne zu sehen.
schönes Wetter über den Deutschen Alpen – Mittags war hier noch GAFOR „Mike“
Zugspitze mit Wattehaube
Watt isssn datt für eine Hütte?
Landung in Kempten gegen 19 Uhr. Es lief alles wie geplant, der Flugplan ist geschlossen. Wir trinken ein welcome Bier unterm Tower und versorgen dann die Flugzeuge. Zur Übernachtung geht es in den nahe gelegenen Landgasthof Zum Schwanen – etwas einfache Einrichtung aber gut zum Schlafen und das Essen hat gut geschmeckt.

9. Juni – Tag 5 – ab nach Hause

Flugplatz Memmingen – Techno Festival Ikarus
letzter Tankstopp in Mainbullau im Odenwald, auch ein schöner Flugplatz mit Restaurant
wieder zu Hause
eine Menge neuer Flugerfahrung – und viele tolle Eindrücke – die diese Fotoserie nur andeutungsweise wiedergeben kann. Am besten selbst hin fliegen!

Anmerkung Unterwegs habe ich überall freundliche und hilfsbereite Leute kennen gelernt. Flugleiter, Lotsen, Bodenpersonal und andere Piloten hatten stets ein offenes Ohr für uns. Ohne deren tatkräftige Unterstützung wäre diese Tour kaum so reibungslos verlaufen. Danke!